Sender führen über jede:n Schauspieler:in Gagenlisten. Besonders genau nimmt es das ZDF. Ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erhalten Schauspieler:innen eine Tagesgage von 850 €. Mit dieser Gage wird man beim ZDF 3 Jahre lang geführt und erhält dann 900 €. Alle 3 Jahre gibt es 10 % mehr. Ab dem 10. Drehtag wird pauschaliert. Das heißt, das ZDF verlangt eine Art Mengenrabatt und das sind in der Regel 10 % Abzug. Es ist aber nicht so, dass 9 Tage voll bezahlt werden, wie man gelistet ist und ab dem 10. Drehtag weniger Gage bezahlt wird. Es bedeutet, dass dann alle 10 oder 11 oder 12 … Drehtage mit 10 % weniger Tagesgage vergütet werden.
Immer öfter wird schon vor den Castingeinladungen von den Caster:innen eine Sondergage genannt, zu der nach erfolgreichem Casting gedreht werden muss. Erkennt man diese Sondergage, oder auch die Deckelung (die Höchstgage, die für dieses Format oder die bestimmte Rolle nicht überschritten werden darf) nicht an, macht es keinen Sinn zum Casting zu gehen. Nur weil man womöglich ein exzellentes Casting absolviert hat, bekommt man hinterher auch nicht mehr Geld.
Die ZDF-Gagen sind deshalb mit den jeweiligen Produktionsleiter:innen der Filmproduktionen nicht frei verhandelbar, wenn diese nach erfolgreicher Vermittlung anrufen und den Vertrag der Schauspieler:innen besprechen möchten. Verhandelt werden dann andere Dinge, wie z. B. Reise- und Hotelkosten-Übernahme und die Anerkennung eventueller Sperrtermine.
Beim ZDF gibt es für manche Formate MW-Gagen. Das heißt, es wird bei wiederholten Ausstrahlungen ein Wiederholungshonorar in Höhe von 10 % der ehemaligen Gage fällig. Außerdem gibt es beim ZDF für manche Formate MA-Gagen, das ist mit Buyout und in der Regel 10 % höher als die MW-Gage. Dafür gibt es aber auch keine Wiederholungshonorare, auch nicht, wenn der Film sehr häufig wiederholt wird. Früher war eine Wiederholung eine Wiederholung. Seit Jahren schon wird gespart und die 1. Ausstrahlung in der Nacht wird nicht vergütet, auch nicht die am nächsten Morgen und auch nicht die 1. Ausstrahlung auf einem der Nischensender und auch nicht … Es dauert schon recht lange, bis beim ZDF eine Wiederholung als Wiederholung gewertet wird.
Die Degeto führt ebenfalls Listen, diese sehen meist ein ganz kleines bisschen großzügiger aus.
Die Gagen der ARD-Anstalten kann man eigentlich frei verhandeln, aber es gibt manchmal ein Gesamtbudget für die Gagen dieses Filmes oder der Serie und es heißt dann oft, dass für diese oder jene Rolle nur ein Budget von z. B. 1500 € pro Drehtag eingeplant ist. Auch wenn ältere, erfahrene Schauspieler:innen, oder womöglich schon bekannte Schauspieler:innen bei ARD-Produktionen bereits bei Tagesgagen von über 2000 € angekommen waren, müssen sie sich in diesem Falle mit den 1500 € begnügen, oder die Rolle spielt jemand, der sich darauf einlassen kann. Auch bei der Degeto und den ARD-Anstalten wird ab dem 10. Drehtag pauschaliert.
Die Gagen bei privaten Sendern, Streaming-Diensten und Kinofilmen kann man frei verhandeln. Die Produktion schaut sich aber ganz genau an, welche Formate die Schauspieler:innen bereits gedreht haben und wenn ein Schauspieler bisher nur in Kurzfilmen mitgewirkt hat, oder eine Schauspielerin hauptsächlich in ZDF-Produktionen spielte und auf Grund ihres Alters klar ist, dass sie dafür wahrscheinlich eine Tagesgage von 1200 € hatte, dann legt eine Produktionsleitung der Streaming-Produktion da gerne etwas drauf, aber meist nicht viel. Warum auch, wenn er den niedrigen Marktwert dieser Person erkennt.
Die beste Verhandlungsposition hat die Agentur bei Schauspieler:innen, die für unterschiedliche Sendeanstalten und vielfältige TV- und Kinoformate gedreht haben, sodass ein Marktwert nicht ganz so deutlich rechenbar ist und der Verhandlungsspielraum größer.
Für Rollen in den täglichen Serien bei RTL, Sat.1 und ProSieben gibt es Monatsgagen. Es sind Pauschalgagen, egal wie viele Drehtage man in einem Monat hatte. Wenn man diese Monatsgage durch die Anzahl der geleisteten Drehtage teilt, kommt eine recht kleine Tagesgage heraus, aber dafür ist man für viele Monate, oder sogar 1 Jahr oder mehr, finanziell abgesichert und sozialversichert und muss sich zumindest keine Sorgen um die allernächste Zukunft machen.